Wer zur "Wies'n" möchte,
landet auf Pützchen
Der Beueler Arno Schatz betreibt eine Homepage über Pützchens Markt, Bier und seinen
Stand - Bei den "Wiesenwirten" dreht sich alles um Bonns Großkirmes anstatt um
das Münchner Oktoberfest
Von Carolin Wirth, General-Anzeiger, Bonn

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Pützchen. "Da kommen die
Wiesenwirte" - so hieß es im Ort, wenn Arno Schatz und sein Freund Bert Barth des
Weges kamen. Die Bierbude der gebürtigen Pützchener öffnete 1989 zum ersten Mal ihre
Klappen. Schnell wurde der Stand zum Treffpunkt für Jung und Alt: Die Kinder |
kommen, um nach Chips fürs Karussell
zu fragen, während die Eltern genüsslich ihr Bierchen schlürfen.
Vor fünf Jahren kaufte der IT-Spezialist einige Internetdomänen. Dabei stellte sich
heraus, dass "Wiesenwirte" noch nicht vergeben war. Also griff er zu. Nachdem
die Seite dann endlich freigeschaltet war, ging Schatz mit einem Gewinnspiel online. Es
dauerte allerdings nicht lange, da bekam er eine Email aus Bayern: viele Oktoberfest-Fans
waren fälschlicherweise auf der Suche nach Infos zur "Wies'n" auf seine Seite
gestoßen.
Sogar mit einem Rechtsanwalt wurde gedroht. Doch auf Schatz' Angebot, ihm den
Domänennamen für damals 100 000 Mark abzukaufen, gingen sie nicht ein. Nach regem
Emailwechsel zwischen Beuel und Bayern, bietet Schatz auf seiner Seite seitdem auch Infos
zum Oktoberfest an.
Aber vor allem geht es dem bekennenden Lokalpatrioten darum, für seine Heimat Pützchen
zu werben. Und für seine Bierbude: 2004 waren insgesamt 1,8 Millionen Besucher auf www.wiesenwirte.de. "Die meisten
Zugriffe sind mit Abstand von Ende Juli bis Oktober", erläutert der
Außenhandelskaufmann. Es wird einem schließlich auch einiges rund um Pützchens Markt
geboten.
Vom Gewinnspiel über "Päihbäck", in Anlehnung an eine bekannte Bonuskarte:
zehn zahlen, elf trinken. Und jetzt neu: Sammler-LKWs und eine Jobbörse zum Nulltarif.
Klar, dass das die Biertrinker zu "Arno's Bude" lockt. Vor allem nachdem sie
unter den Tipps für Biertrinker gelesen haben, dass Abnehmen doch so einfach sei. Man
müsse lediglich kaltes Bier in Mengen zu sich nehmen und die Thermodynamik erledige den
Rest. Denn um den kalten Gerstensaft im Körper zu erwärmen, müssten laut Theorie
hunderte Kalorien verbrannt werden.
"WIP-Launsch" heißt die Ecke an der Bierbude, an der sich schon seit Jahren die
Stammkundschaft trifft. Für die gibt es dann auch schon mal Erdnüsse, Gummibärchen oder
Tintenfischringe. Das sei auch der Grund, warum Schatz' Bude mehr als bloßer
Bierausschank ist.
"Es ist eben nicht absolute Geldgier. Wenn mal ein Bier über ist, bekommt es ein
Kunde auch gratis", sagt Schatz. Eine Besonderheit ist auch, dass man sich sein
Bierchen bei Schatz anschreiben lassen kann. "Im Schnitt haben wir 50 bis 60 Deckel
im Stand hängen", sagt der 44-Jährige. Das heiße natürlich auch, dass das
Personal jeden Kunden kennen muss.
"Wir treffen uns bei Arno" heißt es auch für viele Karnevalisten aus dem
Köln-Bonner Raum. Denn der Leiter einer IT-Abteilung hat elf Jahre lang die Tanzgruppe
"Bonner Bonbons" geführt und den Bundesverband Deutscher Männerballette
gegründet. Die aktive Zeit mit Auftritten ist für den Familienvater, der bei Ralf
Lepehne tanzen lernte, vorbei.
So zählt Schatz den Karneval nur noch als sein drittes Hobby. Gefolgt von Pützchens
Markt steht die Familie an erster Stelle. Ohne seine Frau, die weiß, wann sie ihren Mann
auch mal zügeln muss, und den beiden Kindern, Julia (3) und Leon (wird 1), gehe es nicht,
so Schatz.
(07.09.2005)
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